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Pflegearbeiten Dachbegrünung

Pflege von Extensivbegrünungen
Entwicklungs- und Unterhaltungspflegemaßnahmen sind im Regelfall sowohl für die intensive als auch extensive Dachbegrünung erforderlich.
Während sich die Maßnahmen bei der Intensivbegrünung nur unwesentlich von denen bodengebundener Vegetation unterscheiden, fordert die Pflege von Extensivbegrünungen sehr sorgfältig ausgewählte Maßnahmen und Intensitäten.
Nachfolgend wird deshalb ausschließlich auf die Pflege von Extensivbegrünungen eingegangen.

Lösungsansätze und Empfehlungen
Die wesentlichen Maßnahmen der Pflege von Extensivbegrünungen bestehen in der Versorgung mit Nährstoffen, der Entfernung von unerwünschten Pflanzen und der Durchführung von Pflegeschnitten.
Gelegentlich kann auch Zusatzberegnung und Pflanzenschutz in Frage kommen.

Versorgung mit Nährstoffen
Die meisten Pflanzenarten der Extensivbegrünung kommen mit sehr geringen Nährstoffmengen aus. Solche Hungerkünstler sind oft mit den durch Mineralisation und Niederschläge nachgelieferten Nährstoffen zufrieden und auch auf solchen Standorten konkurrenzfähig, weil für andere Pflanzenarten mit höheren Nährstoffansprüchen das vorhandene Potential nicht ausreicht.
Die Folgen einer zu üppigen Nährstoffversorgung extensiver Dachvegetation zeigen sich nicht nur in abnehmender Trockenresistenz und Frosthärte, sondern auch in Form unerwünschter Pflanzen wie verstärkter Anflug von Gehölzen und Entwicklung von Ackerunkräutern. Zu geringe Nährstoffversorgung, vor allem bei weitgehend inerten Schüttstoffen ohne nennenswerten Mineralisationsgewinn, führt auch bei Pflanzen mit geringem Nährstoffbedarf zu Wachstumsdepressionen und der Ausbildung von Hungerformen.

Unerwünschter Aufwuchs
Der wesentliche Aufwand für die Beseitigung von unerwünschten Pflanzen dürfte in der Unterdrückung von Gehölzsämlingen zu sehen sein.
Zu empfehlen sind hier zumindest eine, besser zwei Kontrollen pro Jahr, bei denen aufgelaufene Gehölzsämlinge rechtzeitig entfernt werden könne.
Zusätzlich bietet sich ein jährlicher Reinigungsschnitt in der Vegetationsruhe an, bei dem das Mähgut im Regelfall entfernt werden sollte.
Im angesprochenen Versuch wurden für das Entfernen störender Arten wie Weidenröschen, Birken- und Weidensämlinge jährlich je m² ca. 0,1 Min. und für den Reinigungsschnitt mit Mähgutentfernung ca. 0,3 Min. Arbeitszeit benötigt.
Die aufgelaufenen Gräser in den ursprünglich überwiegend aus Sedumarten bestehenden Pflanzengemeinschaften wurden belassen, weil sie nicht als störend empfunden wurden.
Im Einzelfall sind natürlich die örtlichen Verhältnisse, insbesondere Erreichbarkeit, Flächengröße und Zusammensetzung der Vegetation als für den Pflegeaufwand bedeutsame Größen zu berücksichtigen.

Zusatzberegnung
Die meisten der für die Extensivbegrünung geeigneten Pflanzenarten können als trockenresistent bezeichnet werden.
Sie verfügen in diesem Zusammenhang teilweise über Wasserspeicher in den Blättern (Sedum- und Sempervivumarten), über verdunstungshemmende Blattbeschichtungen oder Behaarung (Verbascum und Pulsatilla vulgaris) oder sie sind in der Lage, Trockenzeiten durch Einziehen der Sprosse (Allium- und Irisarten) zu überstehen.
Eine weitere Strategie besteht darin, dass Pflanzen durch die Bildung von Sämlingen (Petrorhagia saxifraga) im Bestand überleben.
Vor diesem Hintergrund kann davon ausgegangen werden, dass eine regelmäßige Zusatzbewässerung bei Extensivbegrünungen nicht erforderlich ist.

Pflanzenschutzmaßnahmen
Maßnahmen des chemischen Pflanzenschutzes scheiden auf Dächern grundsätzlich aus.
Trotzdem sind manchmal Pflanzenschutzmaßnahmen erforderlich.
Hier sind jedoch ausschließlich biologische oder mechanische Maßnahmen zulässig.
So ist nicht selten ein Massenauftreten von Dickmaulrüsslern zu beobachten, die allerdings nicht ganz billig, mit Nematodenpräparaten zu bekämpfen sind. Wichtig erscheint hierbei, dass bei der Ballenpflanzung der Befall nicht schon mitgeliefert wird.
Moose können bei Extensivbegrünungen nach unserer Ansicht durchaus bestandgefährdend wirken. Sie verdrängen dann oft die Zielvegetation, insbesondere wenn auf jegliche Düngung und Wässerung verzichtet wird.
Gravierende Nachteile entstehen auch, wenn bei längerer Trockenheit durch die Mooslage die Vegetationstragschicht bis zur Dachdichtung aufgerissen wird. Zwar kann der Winteraspekt von Moosflächen durchaus als positiv bezeichnet werden, spätestens im Frühling aber bearbeiten zumeist Amseln den Moosteppich, der dann ausgesprochen unansehnlich wirkt. Die Färbung der meisten Moose im Sommer trägt ebenfalls nicht zu einer Verbesserung des Gesamteindruckes bei. Zur Eindämmung der Moosentwicklung kann eine Düngung mit schwefelsaurem Ammoniak eingesetzt werden.
Sie fördert die Zielvegetation und mindert die Moosentwicklung.

Hinweise für die Praxis
Die Pflege extensiver Gründächer erfordert ein hohes Maß an gärtnerischer Erfahrung und Einfühlungsvermögen. Vor der Durchführung der jeweiligen Maßnahmen sollte unbedingt die Erkundung der Zielvegetation, die Feststellung der bestandsbildenden Arten und des vegetationstechnischen Aufbaues stehen. Pflegefehler machen sich rasch durch Artenverarmung oder Entwicklung unerwünschter Vegetation bemerkbar.
Bei der Beseitigung von Gehölzsämlingen muss rechtzeitig eingegriffen werden, weil sich selbst auf dünnen Vegetationstragschichten erstaunlich kräftige Pflanzen entwickeln, die später nur mit erheblichem Aufwand, unter Umständen sogar unter Inkaufnahme von Beschädigungen im Aufbau, zu beseitigen sind. Vor diesem Hintergrund erscheint eine zweimalige Kontrolle von Gründächern im Jahr zweckmäßig und sollte bei der Ausarbeitung von Vergabeunterlagen oder Angeboten dringend berücksichtigt werden.